Abschied von Stung Treng

„Alle Veränderungen, sogar die meistersehnten, haben ihre Melancholie. Denn was wir hinter uns lassen, ist ein Teil unserer selbst. Wir müssen einem Leben Lebewohl sagen, bevor wir in ein anderes eintreten können.“ -Anatole France

Nach über sechs Monaten heißt es nun also Abschied nehmen von Stung Treng, Thala und vor allem den Kindern. Die Zeit verging schneller als erwartet, aber ich bin auch drei Mal umgezogen,

(die ersten fünf Wochen wohnte ich in einem Zimmer hinter dem Wohnhaus  einer kambodschanischen Familie, die zweite Station war das Haus von Nicole, einer Krankenschwester die für die Organisation VSO im Krankenhaus in Stung Treng arbeitet und schließlich, nach zahlreichen Hausbesichtigungen mit Phalla und Karen, fanden wir unser jetziges Volontärshaus, in dem wir nun schon seit Anfang September hausen)

erlebte Josh und Caro in Stung Treng und durfte drei Volontärinnen und einen Volontär in die Arbeit mit den Kindern und das kambodschanische Leben generell einführen.

Bild

Ein typischer Abend in Stung Treng – Abendessen beim Sunsetpoint

Viel Wandel und Bewegung also während der ganzen Zeit. Zudem war ich ja noch insgesamt vier Wochen nicht in Stung Treng, sondern reiste entweder „allein“ oder mit Mama und Sophi in Kambodscha herum. Das allein steht in Gänsefüßchen, weil man beim Reisen nie wirklich allein ist, sondern jeden Tag gefühlte tausend neue Leute trifft und mit ihnen mindestens einen Tag verbringt oder sogar weiterreist, so wie ich mit Tanja.

Bild

Tanja und ich – wir lernten uns übrigens im Bus nach Sihanoukville kennen und trafen uns dann zufällig auf dem Weg nach Kampot wieder

Der erste Monat war von Heimweh geprägt – Neues „lauerte“ an jeder Ecke, das fehlende Internet schnitt mich quasi fünf Wochen lang von meinem alten, gewohntem Leben in Deutschland ab. Ab und an tauchte eine Riesenspinne in meinem Zimmerchen bei der kambodschanischen Familie auf (die natürlich kein Englisch sprach) und so schrie ich regelmäßig nach den Hausbesitzern, um die Viecher töten zu lassen.

Bild

Ohne Worte!

Dann kamen Josh, Caro und Anni und es galt, die Buchführung seit Anbeginn BeeBobs zu überprüfen. Das war 0,0 Prozent spaßig, denn wir saßen gut zwei Wochen daran. Seitdem weiß ich immerhin, dass ich nie im Leben einen Job in der Buchhaltung werde haben wollen. Wir machten allerdings auch was sehr Schönes, verbrachten nämlich einen Tag damit, uns alle gegenseitig anzumalen. Im Anschluss findet ihr ein paar der so entstandenen Bilder.

Bild

Bild

Reaksa und Rachana

Bild

Pangna

Schließlich zog ich zu Nicole ins Haus, einer Krankenschwester der Organisation VSO und holte Karen vom Flughafen in Phnom Penh ab. Schon beim E-mailverkehr zuvor war klar, Karen und ich, das passt. So fielen wir uns am Flughafen in die Arme und verbrachten vier schöne Wochen gemeinsam in Stung Treng, erstellten eine Choreografie zu dem Lied „Mamma Mia“ mit den Kids und fuhren schließlich nach Siem Reap, Angkor Wat bestaunen.

Bild

Bild

Geschichtsstunde in Angkor Wat

Bild

Nach unserem khmer-Fotoshoot

Bild

Macarena

Bild

Tanzstunde in Thala

Fünf Tage später holten wir gemeinsam Alissa vom Flughafen ab. Wie schon mit Karen war es Liebe auf den ersten Blick, wir hätten nicht besser zueinander passen können. Wir aßen zu dritt zu Abend und bedauerten, dass Karen am nächsten Tag nach Hause fliegen würde.

Zurück in Stung Treng erlebten wir drei sehr schöne Monate gemeinsam, unterrichteten die Kinder in kleineren Gruppen und dachten uns abwechslungsreiche Sonntagsbeschäftigungen aus. Nach getaner Arbeit unterhielten wir und stundenlang auf unserem Balkon, kochten (Lissy kochte, ich half/leistete Gesellschaft), hörten Musik, schauten Serien (Californicatio)und aßen zahlreiche Eischen.

Bild

Eines Abends in Stung Treng

Bild

An Pchum Ben mit Phalla

Bild

Vor einer Hochzeit

Bild

Schöne Tage in Banlung

Bild

Neue Kleidung für die Jungs

Das Widersehen mit Mama und Sophi am 23.12 war natürlich ein absolutes Highlight. Nach über fünf Monaten ohne diesen Teil meiner Familie war es so unfassbar schön, meine Mädels im Arm zu haben.

Bild

Endlich wieder vereint

Das Hotel, in dem wir über Weihnachten und Neujahr residierten, übertraf all meine Vorstellungskraft, denn in solchem Luxus habe ich in Stung Treng natürlich nicht gelebt. Eine heiße Dusche, ein so weiches Bett, Frühstücksbuffet und meine Mädels – was für ein Genuss!

Bild

Herzensdamen

Bild

Mein Weihnachtsgeschenk

Aber der Höhepunkt des Urlaubs war natürlich, den Beiden die Kinder und Phalla vorzustellen, ihnen Stung Treng zu zeigen und sie mit Alissa bekannt zu machen, die ebenfalls mit ihrer Mutter zwei Tage in Stung Treng verbrachte.

Bild

Dann kamen Inam und Jenni, ein Pärchen aus Köln. Gemeinsam mit Phalla holte ich sie am Riverside, dem einzigen westlichen Restaurant in Stung Treng, ab. Auch die zwei sind total lieb, das vierer Wg-leben macht richtig Spaß. Vier? Severine aus der Schweiz, ehemalige Volontärin der Evergreen Community, die jetzt ihr eigenes Projekt, die Greenschool             ( http://www.sabay.info/ ) hat, wohnt derzeit ebenfalls bei uns.

Bild

Warmtanzen für eine weitere Hochzeit mit Severine, Inam, Jenni und mir (v.r.n.l.)

Bild

Gaben für das zukünftige Ehepaar

Am Sonntag werden wir ein kleines Fest bei den Kindern veranstalten und nachts um drei wird der Minivan nach Phnom Penh mich abholen kommen. Dort werde ich mich noch von Puthy und Kim Yi verabschieden, den beiden „Kindern“ die von BeeBob in ihrem Studium bzw. ihrer Ausbildung unterstützt werden und noch eine paar Souvenirs auf dem sogenannten Russian Market erstehen. Vom 29igsten auf den 30igsten Januar werde ich den Nachbus nach Bangkok nehmen, dort noch vier Tage verbringen und dann geht die Fliegerei wieder los –dieses Mal Richtung Zuhause.

Bild

Unterricht in Thala

Eine Hand voll neuer Freunde, viele Erfahrungen (gute und auch schlechte), ein paar kleine Brocken khmer, unendlich viele schöne Stunden mit den Kindern und einen erweiterten Horizont später heißt es nun:  „Le heil, Stung Treng“

Gallery

Eine Hochzeitszeremonie

Am gestrigen Abend lud Phalla und spontan auf eine Hochzeit am heuteigen Tag ein.

Gegen sechs Uhr in der Früh hieß es also: aufstehen! Denn die Zeremonie sollte um sieben Uhr beginnen. Unsere (das sind Jenni und Inam, die beiden neuen BeeBob-Volontäre und Severine, die hier in Stung Treng ein Schulprojekt leitet und derzeit mit bei uns wohnt und natürlich ich) schon gestern zurechtgelegten traditionellen Outfits, bestehend aus Sarong und weißer Bluse zogen wir nahezu schlafwandlerisch an und bereits um kurz vor sieben erschien Phalla, um uns abzuholen. Severine und ich saßen seitlich mit auf Phallas Moto, ein Foto wird folgen!

Durch den Fahrtwind und die morgendliche Kühle (ja, auch hier ist es kalt, obwohl noch so circa 24 Grad oder so waren!!) erwacht, erreichten wir die Festivität frisch und aufgeweckt. Wir suchten uns zunächst einen Tisch, an dem wir dann mit Phalla und seiner Frau Kasna saßen und frühstückten Reissuppe (gewöhnungsbedürftig) und Obst (lecker!).

Danach gingen wir in das obere Stockwerk, um der dortigen Zeremonie beizuwohnen. Sofern ich das verstanden habe wurden den Eltern des Brautpaares eine Menge an Nahrungsmitteln überreicht, die direkt im Anschluss oder aber auf dem abendlichen Fest verzehrt werden würden. Braut und Bräutigam knieten hierbei hinter ihren Eltern (siehe Foto).

Im Hintergrund wurde stets kambodschanische (Laier?) Musik gespielt, die wie immer ein kleines bisschen zu laut von den schmuckbehängten Holzwänden widerhallte.

Nach etwa eineinhalb Stunden begaben wir uns wieder in der Vorhof, in dem ein riesiges Festzelt aufgebaut war. In der Zwischenzeit wurde dort ein Tisch samt Stühlen und Blumengesteck aufgebaut, an dem rechtsseitig die Braut nebst drei Brautjungfren und linksseitig der Bräutigam mit drei männlichen Anwärtern des Brautjungfernstatus (ich fand soeben heraus das heißt “best men”) Platz nahmen.

Es folgte eine etwa halbstündige Komödie, die von einem Geist handelte und anschließend ein Haarschneidespektakel: Da die Haare hier als etwas heiliges gelten (da sie dem Himmel am nächsten sind) schnitten die dem frisch getrauten Ehepaar nahestehenden Gäste Braut und Bräutigam winzige Haarsträhnen ab, um sie den Geistern zu opfern und so jegliches Unheil in der zukünftigen Ehe abzuwenden.

Im Anschluss daran verließen wir das Fest, die Fortsetzung folgt am heutigen Abend zu Tanz und Bier!

Gallery

Reiseeindrücke

Von Kampot und Kep bzw. Rabbitisland, Sihanoukville und dem wahren Kambodscha

Mit dem “Morgen schreib ich dann den Rest” wurde das dann leider doch nichts. An meinem Geburtstag war ich dann irgendwie nicht sehr motiviert, über irgendwelche Reiseerlebnisse zu schreiben. Ein Reiseerlebnis, nämlich die Tanja, 28, aus München habe ich mir dann allerdings mit nach Hause genommen. Wir trafen uns erst im Bus nach Sihanoukville und dann nochmal in dem Minivan nach Kampot, wo wir dann beschlossen haben, zusammen zu bleiben.

Kampot

In Kampot haben wir in einer wunderschönen Bungalow Anlage namens “Samons village” direkt am Fluss gehaust. Dort lernten wir Fabrizio kennen, einen sehr amüsanten Italiener. Am ersten Tag zogen wir zu dritt durch dieses durchaus schöne Städtchen (einige alte Kolonialbauten waren zu bestaunen), rasteten zwischendurch mit Blick auf den Fluss. Gegen Abend wurden wir hungrig, und da ich mit zwei Seafood-Suchtis unterwegs war gingen wir in das beste Seafoodrestaurant Kampots, geführt von einem Franzosen. Glücklicherweise gab es auch Spagetthi mit Parmesan für mich.. Wir tranken Weißwein, hörten französische Musik und sinnierten über dieses und jenes. Am folgenden Tag machten wir einen Tagesausflug via Tuktuk. Dieser führte uns in Höhlen, auf Pfefferplantagen, zu einem Fischerdorf und Ähnlichem. War alles recht interessant, aber das wahre Kambodscha scheine ich nur in meinem Stung Treng zu finden.

Kep

Kep hat außer einem Krabbenmarkt nicht wirklich viel zu bieten, deswegen ließen wir uns gleich auf die so vielversprechende Insel “Rabbitisland” (und nein, da gibt es keine Kaninchen..) verschiffen. Nach halbstündiger Überfahrt betraten wir nicht grade weißen, vielleicht zwei Meter breiten Strand. Nun gut, dachten wir uns, das wird ja nicht alles sein, was diese Insel zu bieten hat.. Wir suchten unseren Bungalow (20 Dollar pro Nacht, eigentlich) und waren dann erstmal etwas sprachlos. Die “Bungalows” waren eine Empfehlung von Samon, also dem Mann, bei dem wir zuvor in Kampot gewohnt haben und kamen irgendwie einer Katastrophe gleich. Strohhütte, okay, aber zwei stinkende Matrazen, auf dem Boden liegend, und ein Klo, das man am liebsten garnicht erst betreten will? Da würden wir aber nochmal über den Preis verhandeln müssen, denn das Geld war dieses Etwas bei Weitem nicht wert. Natürlich fing es dann auch noch an zu regnen, womit unsere lustige Insel-Entdeckungstour auch ins Wasser fiel. Also hockten wir für ein paar Stunden auf unserem “Balkon” bis der Hunger uns schließlich umhertrieb. Gut, dass wir hier nur eine Nacht blieben.. Den Preis konnten wir dann noch auf 10 Dollar herunterhandeln, was aber noch immer bei Weitem zu viel war. Die Kanincheninsel ist also keine Reise wert!

Sihanoukville

Sihanoukville ist viel zu groß und ich war nur viel zu kurz da, um mir jetzt schon ein Urteil über die Stadt erlauben zu können. Was ich an Stränden dort gesehen habe, nämlich den Victory Beach und Koh Rong Island war allerdings um Längen schöner als die ranzige Kanincheninsel. Hier war ich mit Reese und zwei Argentiniern, Huan und -Name vergessen- unterwegs, lustige Typen, allerdings vollzeitbekifft. Am Victory Beach verbrachten wir einen ganzen schönen Tag. Weißer Strand, türkises Meer – wie im Bilderbuch.

Das Highlight meiner Reise sollte allerdings mein Tauchgang am nächsten Tag darstellen. Ich gebe zu, ich hatte am Vortag leichte Panik das mein Beatmungsgerät nicht funktioniert, sich irgendein Schlauch löst, oder mich ein Hai frisst, aber nichts dergleichen ist passiert. Nach einigen Übungen im flachen Wasser ging es nach dem Mittagessen (Gemüsecurry, lecker!) raus aufs Meer. Ein kleiner Schritt von der Bootkante, und schon war ich in einer anderen Welt. Fische, Korallen, aber das tollste war einfach, unter Wasser atmen zu können. Ich fühlte mich meinen Kinderheitsträumen davon, eine Meerjungfrau zu sein, so nah wie nie zuvor. Nach circa einer Stunde war der Spaß leider schon wieder vorbei und ich völlig fertig. Sowas anstrengendes habe ich noch nie vorher gemacht!

Fazit

An manchen Stellen konnte ich kaum glauben, dass ich tatsächlich in Kambodscha bin. Ich erkannte kaum die typischen Kambodschaner unter ihren Verkäufer-fassaden wieder und ein herzliches Lächeln bekam ich auch nicht so oft wie in Stung Treng. Umso glücklicher war ich, als Tanja meine Einladung nach Stung Treng annahm. Es ging nicht nur zurück in mein zweites Zuhause, sondern ich hatte auch noch die Gelegenheit, einer neuen Freundin das wahre kambodschanische Leben, fernab von allem Tourismus, zu zeigen.

 

 

 

 

 

Kambodscha in zwei Wochen

Die Reise begann am 15ten November, zusammen mit meiner Freundin, Mitbewohnerin und Mitvolontären Lissy. Wir wurden früh am Morgen von einem mal wieder viel zu vollem Minivan abgeholt und fuhren zwei holprige Stunden in die Nachbarprovinz Ratanakiri. In der Hauptstadt Ban Lung hatten wir bereits einen wunderschönen Bungalow in Wald reserviert. „Tree Top Eco Lodge“ war der Name, falls demnächst mal jemand nach Kambodscha fliegt –mit den wärmsten Empfehlungen zweier Stung Trenger Mädchen. An diesem ersten Tag machten wir eine Erkundungstour mit dem Fahrrad, was für mich nach vier Monaten ohne Sport echt anstrengend war. Außerdem organisierten wir uns die Tour für den kommenden Tag.

Die erste Station bildete ein Elefantenritt durch den Dschungel. Nachdem wir etwas Hochsitzartiges hochgeklettert waren, parkte der Mahout seinen Elefanten daneben und wir kletterten auf dieses unglaublich hohe Tier. Erst ich, dann Lissy. Wir saßen auf einem selbstgebauten Holzsattel, eine links, eine rechts, und ließen die Füße auf den Rücken unserer Elefantendame baumeln. Sehr gemächlich ging es so dann eine Stunde durch den Dschungel.

P1020998

Nach diesem einstündigem Abenteuer fuhren wir mit jeweils einem Moto samt Fahrer in Richtung der Wasserfälle und des Vulkansees. Völlig verstaubt und nach ausgiebiger Planscherei im See kamen wir dann Abends völlig erledigt in unserem vorübergehenden Zuhause an.

DSCF0565

Der Vulkansee.. Das Baden war eine wahre Wonne!

DSCF0536

Lissy und ich vor einem der drei Wasserfälle.

P1030006

Der Rüssel unserer Elefantendame.

Über Kampot, Kep, Sihanoukville und Co berichte ich euch Morgen, denn jetzt heißt es: Schick machen für meine erste kambodschanische Hochzeit!

Gallery

Abschlusszeremonie Pchum Ben

Den Abschluss des Pchum Ben Zeremoniells bildete eine Bootsverbrennung bei Vollmond. Schwer zu beschreiben, daher: Seht selbst!

This slideshow requires JavaScript.

Pchum Ben

Pchum Ben ist das Fest der Verstorbenen, genauer: vom 1.-15.10, also innerhalb von 15 tagen müssen die kambodschaner sieben verschiedene Pagoden (also Tempel) besuchen. Sieben, weil die Geister der Verstorbenen durch sieben Pagoden ziehen und dort nach Essen suchen. Also werden die schönsten traditionellen Sarongs umgeschwungen, reichlich Essen gekocht und los geht der Pagodenmarathon.

 Zu unserem ersten Pagodengang hat Phallas Schwester Vanna uns, das sind Alissa und ich, eingeladen, mit ihr und Phalla zu einer sehr armen Pagode etwas außerhalb von Stung Treng City zu fahren. Wir fuhren sogar mit dem Auto dorthin, das war ein wahrer Genuss für uns Motofahrer.O-Ton Alissa: „Ich könnte noch Stunden durch die Gegend fahren“ Phallas Schwestern sind ziemlich wohlhabend, daher das Auto.

Alissa und ich hatten zunächst unsere normalen, Alltagssarongs an. Die fand Vanna dann aber wohl zu gewöhnlich, also führte sie uns in ihren begehbaren Kleiderschrank und gab und richtig schicke Sarongs aus Seide. Ich hätte ja nie gedacht, dass ich mich mal freue, in den Sarong einer 50-jährigen zu passen, aber die Menschen hier sind so unglaublich dünn, da war das für mich schon ein kleines Fest.

Image

Unsere schicken neuen Sarongs nebst Phalla

Das war gegen zehn Uhr am Morgen, wir hatten Reis, Wasserflaschen und khmer Curry (tschnang! – lecker!) dabei. Das alles wurde in der Pagode dann von den Mönchen gesegnet und anschließend auf einen riesigen Tisch mit weiterem Essen gestellt. Das Essen darf übrigens jeder essen, nicht nur die Geister. Ich glaube, die kambodschaner glauben, dass die Mönche das Essen für die geister aufnehmen, sonst ergäbe das Ganze ja auch keinen Sinn. Auf Phallas Aufforderung hin nahmen Alissa und ich je einen Teller von dem Reis, den wir mitgebracht hatten, und verteilten ihn in die Behältnisse jedes einzelnen Mönches. Danach haben wir uns vor die Mönche auf den Boden gekniet, wurden gesegnet, indem uns Wasser über den Kopf gespritzt wurde, verbeugten uns drei Mal (kann ich nicht anders benennen, mache ich bei Gelegenheit mal vor) und kehrten zurück auf unsere Plätze neben Vanna und Phalla.

Image

Alissa, den Paligebeten der Mönche lauschend

Auf dem Rückweg habe ich Vanna gefragt, ob sie uns einen der Sarongs für den Nachmittag leihen könnte, damit wir uns nach dessen Muster ebenfalls welche anfertigen lassen können. Denn am nächsten Tag stand Pagodenbesuch Nummer zwei an, zusammen mit unseren Kinder in Thala.Vanna überlegte kurz und schenkte uns dann ihre schönen Seidensarongs, was ihre einige Küsschen einhandelte.

 Am nächsten Tag sind wird dann also mit unseren niegelnagelneuen Seidensarongs zu den Kindern gefahren, die bereits in ihrer Schuluniform auf uns warteten. Ich bin mit drei Kindern zusammen vorgefahren zur Pagode.. Da wussten wir ja bereits, was uns erwarten würde, aber mit unseren Kinder war es dann nochmal ganz was anderes -irgendwie war ich stolz.

Image

Einer unserer Kleinsten, Kong Kea

Soviel also zu unseren Pagodengängen. Es ist wahnsinnig schön, die ganze kambodschanische Kultur dank Phalla so hautnah mitzuerleben! Pchum Ben barg allerdings noch ein, zwei weitere Abenteuer: Traditionelles Tanzen und den Kulturschock vom Kulturschock.

Der traditionelle Tanz ist etwas eintönig, man tanzt in Zweierreihe um etwas in der Mitte herum, in diesem Falle die Musikboxen, alle machen die selben Handbewegungen (die sind allerdings eine Wissenschaft für sich) und Schritte.

Bei manchen neueren Lieder allerdings löste sich das Zweierreihengemenge auf und die Kambodschaner gingen, völlig unerwarteterweise unsererseits, so richtig ab. Neben diesem unerwartet sexy Getanze trugen die Mädels auch noch Hotpants und Tops – ich fühlte mich irgendwie fehl am Platz. Alissa und ich hatten, da das ganze Spektakel ja vor einer Pagode sattfand natürlich unsere Schulter und Knie bedeckt. Habe dann etwas verwirrt Phalla gefragt, das diese Kleidung soll und er meinte dann, etwas unglücklich wie mir schien, dass sich momentan eben viel verändere.

 

Gallery

Angkor Wat

Über Umzüge und Bekanntschaften mit der Mafia

Malwieder lange nichts berichtet, Schuld daran ist natürlich meine Schusseligkeit, denn ich habe mein LapTop Ladekabel bei der Caro (BeeBob Mitgründerin) im Rucksack vergessen, wie könnte es auch anders sein? Sie hat es dann erst mit nach Thailand, dann mit nach Deutschland genommen, und nun kommt es dann hoffentlich mit den neuen Volontärin, Alissa, wieder zu mir. Lange rede, kurzer Sinn: Beschränkter Internetzugang für mich.

In der Zwischenzeit bin ich zwei Mal umgezogen, erst zu meiner Freundin Nicole (arbeitet für VSO (Volonteer Services Overseas) im Krankenhaus) für circa 2-3 Wochen, zunächst allein und dann mit Karen, einer weiteren BeeBob Volontärin .

Karen und ich suchten währenddessen ziemlich lange und verzweifelt nach einem neuen BeeBob Haus , denn der Immobilienmarkt in Stung Treng ist derzeit wider Erwarten sehr schlecht. Grund dafür sind die chinesischen Brückenbauer, die die Mietpreise enorm in die Höhe treiben und es so unmögliche machen, ein angemessenes Haus zu einem fairen Preis zu finden. Fanden wir dann aber doch, nämlich das ehemalige „4 Rivers Restaurant“- ein türkises, riesiges Ding, sehr zugemüllt, dreckig, und vor Allem mit allerhand ungebetenem Besuch, aufgrund der vorigen Restaurantexistenz übersät. Immerhin gab es ein westliches Bad und kein Plumsklo und eine intakte, halbwegs saubere Küche ebenso.Nun gut, dachten wir uns, das bekommt man, in diesem Fall, also der Besitzer, schon sauber. Die Euphorie über den Fund des Hauses ließ und etwas blauäugig werden .. Wir verlangten neue Matrazen, eine komplett Säuberung und Moskitonetze an Fenstern und Türen, außerdem einen Kühlschrank. Dies alles geschah an einem Samstag, Mittwoch hätten wir, laut Vermieter, einziehen können. Wie gesagt, wir waren etwas blauäugig, Mittwoch früh packten wir unsere Siebensachen zusammen und Phalla organisierte einen Wagen zum Transport unseres Hab- und Gutes. Die Hausbegehung verlief dann allerdings nicht so ganz nach Wunsch denn außer einem Kühlschrank und einer oberflächlichen Reinigung des geländes war noch nicht viel geschehen. Im Hinterhof stapelten sich nach wie vor die Bierflaschen, Joshs Bauchgefühl (er ist am Tag zuvor hier eingetroffen) sagte auch recht entschieden „Nein!“ zu dem Ganzen, und so entschieden wir uns zum Ärger des Besitzers gegen dieses Haus. Phalla erhielt im Laufe des Tages sogar noch einige Drohanrufe von dem Herren, dessen Frau bis vor Kurzem noch im Gefängnis saß, wegen Kokshandels, wie wir da erfuhren, und bekam es mit der Angst zu tun. Hier gibt es nämlich kein Recht oder Unrecht, derjenige mit mehr Geld, ergo Einfluss, bestimmt und sich mit der Drogenszene mit Stung Treng anzulegen war in unserer aller Sinn nicht. Also mussten wir seiner Forderung Kostenrückerstattung schließlich folgen. Knapp dem Knast entkommen, die Erste. An besagtem Tag hatten wir allerdings auch noch Glück: Ein anderer Hausbesitzer (unseres Wissens nach nicht in irgendwelche Drogengeschichten involviert) senkte den Mietpreis von 250 Dollar auf 200 Dollar, was für uns dann durchaus erschwinglich war. Ein Stelzenholzhaus, vier Schlafzimmer, gute Küche, schönes Bad, großes Wohnzimmer, sauberer Garten, Kühlschrank, alles gut. Den darauffolgenden Sonntag zogen wir ein ins traute Heim. Hausfindung dann also endlich abgeharkt.

Weiter im Text: Vergangenes Wochenende hatten Karen, Josh, Patrick (sie alle wohnen derzeit mit im Haus) Simone und Laura (Evergreen) die Idee, einen Sonntagsausflug zum Wasserfall in Thala zu machen. Also alle Mann und Frau ab auf die Motos, die Fähre, dann ab zu den Kindern, die auf dem Weg zum Wasserfall wohnen, die sind dann spontan auch noch alle mitgekommen. Wir, die Motos, sind vorgefahren, da wir ja langsamer sind als ein Auto, dachten wir. Nach eineinhalbstündiger Arschplattsitzerei, einen beinah-Sturz im Schlamm und unzähligen mitgenommenen Schlaglöchern, kamen wir endlich irgendwo an. Dieses Irgendwo stellte sich nach einigen Minuten allerdings als falsch heraus, denn wir befanden uns in einem Nationlpark zum Delfine schauen und durften dafür jeder zwei Dollar bezahlen. Fürs Delfine nicht-sehen, wie sich dann später herausstellen sollte, denn Phalla rief an, und fragte, wo wir denn bleiben würden. Er und die Kinder seien ja schon längst da. Also wieder zurück aufs Moto, denn wir waren falsch abgebogen. Irgendwann kamen uns dann die Kinder entgegen, was ich als Gelegenheit nutzte, vom unbequemen Moto auf die Ladefläche des Autos zu wechseln, wo mich die Kinder freudig begrüßten.

Dann wurde es richtig abenteuerlich. Ich fühle mich wie in einem Safarifilm, nicht nur die Landschaft, endlose Sandstraßen mit Jungelartigem Gewächs links und rechts, zwischendurch von Bachläufen unterbrochen, sondern auch das Vogelkonzert und der überwältigende Blumenduft trugen dazu bei. Zudem ging es hoch und runter, von rechts nach links: Alle Kinder purzelten wild im Wagen durcheinander, dazu praller Sonnenschein. Endlich am Wasserfall angekommen machten wir ein paar Bilder und die Kinder badeten in einem Tümpel nebenan. Auf dem Heimweg war dann plötzlich irgendwas am Auto, genauer: am Reifen, so kaputt, dass einer unserer Jungs da erst einmal herumschrauben musste und laut Josh die Bremse ausbaute. Besonders vorsichtig sind wir dann weiter gefahren, um einige Kilometer später eines unserer Motos zu sehen, welches kein Benzin mehr hatte, natürlich mitten im Nichts plötzlich stehenbleiben, wie klischeehaft…

 

Wochenbericht (30.7.-4.8.2012)

Eine weitere ruhige und friedliche Woche im Kinderhaus neigt sich dem Ende zu. Nachdem nun der Bau des neuen Hauses nahezu abgeschlossen ist, sind die Mädchen schon alle ganz aufgeregt, denn das zukünftig pinke Haus soll ihre neue Residenz werden.

Doch auch die friedlichsten Lämmer werden mal zu kleinen Kriegern: Eines Morgens entdecken die Kinder Kohlemalerei  auf Gesichtern als ihr neues Hobby. Alle jagten sich gegenseitig und versuchten, möglichst viel Kohle in den Gesichtern der Anderen zu verteilen und dabei möglichst wenig selbst abzubekommen.
Nach ausgiebigem Toben über das ganze Gelände setze ich also eine allgemeine Waschaktion aller an, um den Englischunterricht zumindest einigermaßen sauber zu bestreiten.

Der Unterricht fand die ganze Woche über in seinen gewohnten Gruppen statt, nur die Ältesten, also Hong, Sokha, Kanitha, Puthi, Kim Yi und Kim Thor glänzten abwechselnd durch Abwesenheit, da die beiden Kims zum Beispiel mehrmals in der Woche einen Computerkurs besuchen, Puthi jeden Tag Mathe-, Chemie- und Phisikkurse in Stung Treng belegt, da er nach seinem Schulabschluss im August in Phnom Penh Medizin studieren möchte und auch Hong, der beim Bau des neuen Hauses mithilft, manchmal zu eingespannt ist, um Englisch zu lernen.

An diesem aktionreichen Tag gab es auch noch das Lieblingsessen vieler Kinder: Bong em, eine süße Maissuppe mit ein bisschen Kokosnusssaft darin. Nach ausgiebigem Schlemmen ging die Jagd in die zweite Runde. Pagna, einer der neue Jungen, verstand nach einer Weile allerdings keinen Spaß mehr und zog sich beleidigt auf meinen Schoß zurück.

Aprops neue Kinder: Ich wusste zwar, dass es vier neue Kinder in Thala gibt, aber mir wäre niemals aufgefallen, welche vier neu sind. Rachana, das älteste Mädchen der drei Geschwister zum Beispiel ist eine sehr gute Englischschülerin. Wie in der Charakterisierung von Marie und Sebastian bereits erwähnt ist sie sehr lernwillig, fleißig und hat eine rasche Auffassungsgabe, was mir oft in der Kommunikation mit den anderen Kindern in der mittleren Englischgruppe hilft. Alle vier Kinder sind sehr gut in unsere Großfamilie integriert, Pangna und der gleichaltrige „alte Hase“ Kong Kea hecken immer neue Streiche aus und wollen besonders mir immer ganz merkwürdige Sachen zum Essen andrehen. Zwischen Sothy und Chira scheint sich auch eine große Freundschaft zu entwickeln, wie auf dem obrigen Bild ebenfalls erkennbar ist. Und auch Reaksa genießt die 24-stündige Gesellschaft von 19 anderen Jungs und Mädchen.

Vergangene Woche hat die Hausmutter allen Mädels die Haare geschnitten –nun haben alle einen kurzen Bob mit oder ohne Pony, und auch die Jungs waren beim Friseur. Ich vermute ja, dass sie sich alle für unseren Besuch um den 10.8 schick gemacht haben – da werden nämlich Caro, Josh und Ann-Kristin Stung Treng erreichen, um das Beebob Team in Kambodscha (also Phalla und mich) für mindestens drei Wochen vor Ort zu unterstützen – wir freuen uns alle sehr!

Auch eine weitere Sache, die Entmüllungsaktion, haben wir schon in Angriff genommen. Phalla hat zusammen mit den älteren Jungen den ersten Mülleimer gebaut, ein zweiter wird folgen, und wenn der Bau des neuen Hauses abgeschlossen ist, wir das ganze Kinderdorf gründlichst entmüllt.